So entwickeln die Sieger von morgen ihre Produkte –  ganz ohne Projektmanagement!

18. Januar 2023

Teil 2/4: Die Power-Kriterien, um den Erfolg Eures Produktes zu gewährleisten

In unserer Artikelserie zeigen wir Euch, wie die Abräumer von morgen Produkte völlig ohne Projektmanagement entwickeln und dabei Zeit, Geld und Nerven sparen – und worauf Ihr dabei achten müsst. Im ersten Schritt habt Ihr Eure Entwicklung bereits transformiert und arbeitet ohne Projektmanagement, dafür aber nun mit der dedizierten Rolle des Product Owners. Woher Ihr nun wisst, ob Ihr und der Product Owner auf der richtigen Spur seid und erfolgreich sein werdet, erfahrt Ihr in diesem Beitrag der Serie.

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Productowner Erfolg
Foto von Austin Chan auf Unsplash / Titelbild: Foto von Lopez Robin auf Unsplash

Wir behandeln das Thema in einer Serie bestehend aus 4 Artikeln, die unterschiedliche Aspekte beleuchten. Und am Ende der Artikelserie werdet Ihr wissen, wie Ihr die Transformation vom klassischen Projektmanagement zu modernen erfolgreichen Ansätzen hinbekommt, welche Aufgaben und Zuständigkeiten ein sogenannter „Product Owner“ (im Folgenden mit „PO“ abgekürzt) tatsächlich hat und woher dieser weiß, ob er/sie erfolgreich ist, bzw. gute Arbeit abliefert. Wir werden uns aber auch ansehen, wie eine gute Wochenroutine aussieht, die Euch bei Eurem Erfolg helfen wird. Und um das Thema vollumfänglich abzurunden, werfen wir ein besonderes Augenmerk auf die Wichtigkeit der Einschätzung des Bearbeitungs- und vor allem auch Abnahmeaufwandes.

 

Fassen wir kurz nochmal zur Orientierung zusammen, worum es in der Artikelreihe Produktentwicklung ohne Projektmanagement gehen wird:

  • Wie Euch die Transformation vom klassischen Projektmanagement zu modernen erfolgreichen Ansätzen gelingt
  • Die Zuständigkeiten und Aufgaben der Product Owner-Rolle (PO)
  • Woran der PO weiß, ob er/sie erfolgreich ist bzw. gute Arbeit macht
  • Wie eine gute weekly Routine aussieht + Erfolgs- Checkliste
  • Die Wichtigkeit der Einschätzung des Bearbeitungs- und vor allem auch Abnahmeaufwandes

Im zweiten Artikel unseres Vierteilers geht es darum, wie der Product Owner erkennt, ob er oder sie auf dem richtigen Weg ist, und ob das Produkt dauerhaft erfolgreich sein wird. Dabei werdet Ihr drei wichtige Quellen kennenlernen, die Ihr nutzen und einbeziehen solltet. Damit ist Euer Erfolg vorprogrammiert.

Erfolg messen für Product Owner – die Nutzer des Produkts sind Eure Quelle Nr. 1

Ihr habt euch transformiert und habt vielleicht schon einen ersten Entwicklungszyklus durch? Da der Product Owner nur für das “Was” verantwortlich ist, kann sich die Entwicklung auch in eine falsche Richtung entwickeln – und das gilt es zu vermeiden. Nur die Zielgruppe und Kunden selbst können tatsächlich beurteilen, ob das Produkt immer besser wird, mehr Wert für sie erhält, und ob sich das bei den Nutzern auch rumsprechen würde.

Productowner Erfolg messen
Foto von Fleur auf Unsplash

In der Praxis kommen meistens drei Methoden zum Einsatz, an denen sich Product Owner orientieren können und sollten. Sie sind natürlich keine Entweder-Oder-Optionen. Ein Mix aus Methoden gibt ein noch besseres Bild und Messung ab.

Nummer 1: Der berühmte Net Promoter Score (NPS) für Product Owner

Bei dem häufig verwendeten NPS werden die Nutzer in größeren Zeitabständen wiederholt (z.B. alle 6 Monate) gefragt, mit welcher Wahrscheinlichkeit (zw. 0 und 10) sie das Produkt anderen Kollegen/Freunden/Firmen weiterempfehlen würden. Aus dieser einfachen Frage werden die Abstimmenden in Promotoren, Neutral und Detraktoren unterteilt. Der Score ergibt sich aus der Quote an Promotoren minus der Quote an Detraktoren, und ist damit eine Zahl zw. -100 und +100. Bei genügend Abstimmungen zeigt es in einer Momentaufnahme, wie es um das Produkt eigentlich steht. Alarmstufe ist bei Werten unter 0 angesagt, gut sind Werte zwischen 0 und 20. Generell gilt, dass Werte über 20 sehr gut sind, über 50 hervorragend und über 80 ausgezeichnet. Wir kennen aktuell allerdings keine Companies weltweit, die es über einen Score von 60 schaffen. Auch unterscheiden sich der Score und die Beurteilung in jeder Branche. Einen Report aus 2022 kann man <hier> kostenlos bestellen.

Net Promoter Score NPS für Product Owner
Foto von Sigmund auf Unsplash

Für den PO ist aber nicht nur die Momentaufnahme relevant, sondern vor allem wie sich der Score über die Zeit entwickelt. Hier ist die Wertänderung pro Zeiteinheit (Quartal bspw.) der Indikator dafür, wie gut ein PO arbeitet und handelt.

Net Promoter Score steigt: Alles gut! Die Kunden lieben die Lösung immer mehr, weil der Product Owner, bzw. die -ownerin zusammen mit dem Team immer die richtigen Stories zur Realisierung auswählt.

Nummer 2: Usage Measuring für Product Owner

Hier wird nicht die Gesamtbeurteilung wie beim NPS betrachtet, sondern die Nutzung von realisierten Features getrackt. Nachdem das Produkt eine Weile auf dem Markt ist und sich eine Nutzerbasis aufgebaut hat, zeigt sich, welche Funktionen häufig genutzt werden (und daher wertvoll sind) und welche eher weniger. Ziel des POs ist es, ein klares Bild davon zu haben, welche Funktion wie wertvoll ist, was ggf. sogar entfernt werden könnte (z.B. Altlasten), und wo es sich lohnt, in Funktionsverbesserungen  zu investieren. Aus der Praxis wird jede/r bestätigen können, dass die Realität der Nutzungsraten oft komplett anders aussieht als man selbst vorab gedacht hätte. Manche Funktionen werden nur einmal pro Jahr genutzt, andere dafür mehrmals am Tag von tausenden Nutzern, entgegen jeder vorher getroffenen Annahme. Ohne Usage Measuring würden falsche Annahmen nie rauskommen, und Weiterentwicklungen laufen mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine falsche Richtung.

Product Owner Usage Measuring
Foto von Chris Liverani auf Unsplash

Unser Fazit: Das Usage Measuring ist ein wichtiges Werkzeug und der PO sollte bei der Entwicklung Wert darauf legen, dass alle Funktionen intern getrackt werden und die Statistiken für den PO einsehbar sind. Auch hier ist die Änderung der Nutzungsraten interessant (genormt bzgl. der Anzahl der User): Nimmt ein Wert über mehrere Monate zu oder ab? Auch das zeigt Trends der Wahrnehmung beim Kunden, und wie dieser mit den sich gegenwärtig immer ändernden Umweltbedingungen das Produkt noch nutzt.

Nummer 3: A/B Tests für Product Owner

Hiermit können Product Owner ganz einfach feststellen,wie gut neue Funktionen bei den Benutzern ankommen. Mit dieser Methode können POs neue Ideen und Funktionen mit erstmal wenig Realisierungsaufwand in kleinen Nutzer-Kreisen austesten, also ein Experiment vornehmen, um den Mehrwert der Idee oder Funktion erstmal richtig einzuschätzen. Kommt es gut an, kann mehr Zeit und Budget investiert, also die Idee weiterverfolgt werden. Diese Methode ist also  relevant, damit der PO nicht zu viele Ressourcen (Entwicklungsteam, Zeit und Geld) in Dinge investiert, die ggf. die anderen Kennzahlen von NPS und Usage Measuring negativ beeinflussen.

Das Entwicklungsteam als Feedback-Quelle für Product Owner

Natürlich geben auch die Teams, die die Aufgaben umsetzen, regelmäßig Feedback, wie gut die Stories beschrieben werden und ob alle wichtigen Elemente enthalten sind, um Inhalte und Gründe gut zu verstehen und Aufwände abschätzen zu können.

Product Owner Team Feedback
Foto von John Schnobrich auf Unsplash

Da jedes Team und jedes Produkt andere Inhalte erfordern, ist das in der Regel ein Lernprozess. Es ist von Vorteil, wenn man das alles vorab in einer Definition-of-Ready festhält und stets auf den aktuellen Stand bringt, damit die Product Owner bei den nächsten Stories Raum für Verbesserungen finden können. Und aus der Praxis können wir nur sagen: In jedem Entwicklungszyklus (Sprint) kristallisiert sich immer wieder Neues heraus, wie die Storycards, die Akzeptanzkriterien und die Definition-Of-Done verbessert werden kann, damit zukünftig weniger Missverständnisse entstehen können. So wird das Team immer effizienter, was sich in der steigenden Velocity (realisierbare Umfang Features pro Zeiteinheit) bemerkbar macht, und so dem PO auch zuspielt, weil dieser den Nutzern mehr Wert in kürzerer Zeit ermöglichen kann. Tipp an Euch als POs: Nehmt Euch nach jedem Entwicklungszyklus zwingend die Zeit mit dem Entwicklungsteam, Feedback bzgl. der genannten Punkte einzusammeln, um so für die nächsten Zyklen immer besser zu werden.

Eure subjektive (Stress-) Wahrnehmung als Quelle

Was gerne mal außer Acht gelassen wird, ist das Stresslevel von Product Ownern. Ist die Vorbereitung und Abnahme von Stories im Arbeitsalltag gut zu handhaben? Waren die Vorbereitungen rechtzeitig fertig? Manche Tipps scheinen offensichtlich, aber es hilft tatsächlich, nach jeder Woche und jedem Sprint zu reflektieren und die kommenden Schritte gewissenhaft und mit den Learnings der letzten Runde für einen selbst besser zu planen. Auch das Delegieren von Tätigkeiten ist häufig sinnvoll, um effektiver zu arbeiten, egal, ob es dabei um das Ausformulieren von Stories oder deren Abnahme geht. Zentral hierbei ist jedoch, dass Product Ownerimmer sicher sein müssen, dass alle wirklich relevanten Kriterien weiterhin erfüllt bleiben und die Qualität der Ergebnisse (Stories, Abnahme) stimmt. Immerhin tragen die Product Owner die Verantwortung für das gesamte Produkt und die Nutzererfahrung.

Product Owner Stress
Foto von nikko macaspac auf Unsplash

Tipp: Nehmt Euch im Kalender mindestens eine Stunde pro Entwicklungszyklus Zeit, Eure Arbeit selbst zu reflektieren und alle Punkte in Ruhe zu sammeln, die Ihr als Stress-Verursacher seht. Formuliert anschließend für jeden Punkt eine Lösungsidee, die Ihr im nächsten Zyklus ausprobieren werdet!

Eine Gemeinsamkeit, die fast bei allen POs hierbei genannt wird: Man ist tagtäglich durch kurzfristige Meetings, Absprachen und akute Notfälle im operativen Geschäft so eingebunden, dass man den eigenen Plan irgendwie nie so wirklich schafft.

Diese Lösungsansätze können Euch helfen:

  1. Stressmanagement ist Zugangsmanagement. Ihr legt fest, wann andere Menschen Zugang zu Euch erhalten. Ihr legt fest, in welchen Zyklen Ihr Mails und Slack lesen und reagieren werdet. Wichtig: Haltet es transparent, teilt es allen mit und seid selbst-diszipliniert und streng bei der Einhaltung!
  2. Delegiert (= übergebt) Verantwortung insb. beim operativen Betrieb und akzeptiert dann, dass Ihr nicht mehr dafür verantwortlich seid (und noch viel härter: Haltet es emotional aus, wenn es anfangs schlecht oder nicht nach Euren Wertvorstellungen läuft: Seht es als Chance für die neuen Verantwortlichen, zu lernen und besser zu werden. Das ist zwingend notwendig!).

Fazit

In diesem Beitrag habt Ihr die drei wichtigsten Methoden kennengelernt, mit denen Ihr Euren Erfolg tracken und ermöglichen könnt. Am wichtigsten ist die Beurteilung durch die Nutzer, durch die man mit einer einfachen Frage, einem Nutzungstracking im Background und mit A/B-Tests ein immer aktuelles Bild von der Wahrnehmung in den Köpfen der Kunden entstehen lassen kann. Im zweiten Schritt sind das Feedback bzgl. der Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam, die Qualität Eurer Vorarbeiten und die regelmäßige Reflektion von Euch selbst die Schlüssel, um selbst immer besser zu werden. Und das wiederum zahlt am Ende als zweite Dimension auf den Erfolg des Produktes ein.

Ausblick

In der nächsten Folge dieser vierteiligen Serie erfahrt Ihr im Detail, wie Eure wöchentliche Routine als PO aussehen kann und wie Ihr immer alles auf dem Schirm und rechtzeitig alles vorbereitet habt, was notwendig ist. Das ermöglicht Euch besonders in der Anfangszeit als neuer Product Owner eine gute Orientierung, sodass Ihr ab Tag 1 schon erfolgreich am Start seid. Ihr dürft gespannt sein!

Kleiner Tipp zum Schluss: Um nichts zu verpassen und Euch Euren Erfolg zu sichern, abonniert einfach diesen Kanal rechts in der Seitenleiste!